Von Überraschungen und Enttäuschungen
Ich habe jüngst zwei Fachbücher gelesen, die mich überrascht und verblüfft haben.
Das erste eroberte ich mit viel Vorfreude und Lust, behandelt es doch ein sehr gern genutztes systemisches Tool: das Systembrett. Nicht viel Fachliteratur ist dazu auf dem Markt, ich habe es für unser VITAS-Buchregal erstöbert und wollte nun wissen, was dort beschrieben und empfohlen wird. Was die beiden Autoren, die es ebenfalls sehr gern nutzen, als Essenz fanden, was sie als gelungen beschreiben und als gelingend ans Herz legen.
Das zweite lese ich (aktuell noch immer) in Onlinevariante. Ich habe mich schon immer gefragt, ob es Menschen gibt, die die unerschöpflich wirkende Reihe "... für Dummies" nutzen, sich zu speziellen Themen genau diese Bücher kaufen und sich an der Kasse der Buchhandlung des Herzens als Dummie - auf dies Thema bezogen - outen. Als interessiert daran, aber vollkommen unbeleckt. Als neugierig und vorerst noch mit Heu im Kopf, in dem die Stecknadel nur 14:34 Uhr kurz aufblinkt, vorausgesetzt, es ist ein sonniger Tag und der Sonnenstrahl spiegelt sich kurz im Metall der Nadel, bevor die Sonne unbeeindruckt ihren Lauf fortsetzt.
Ich begann das zweite Fachbuch lustarm, vorurteilsgefüllt und widerwillig. Einen Buchladen hatte ich dafür nicht betreten, lediglich die Onleihe der Stadtbibliothek, virtuell, unbeobachtet (außer von der KI, die weiß nun Bescheid über meine Stecknadel - und nun auch du).
Bereits der Werdegang des Autors dann ließ mich schmunzeln und neugierig werden, drei farbprächtige Hypothesen im Kopf neben dem Heu, wozu es hilfreich gewesen sein könnte, sich nach Jahren zentrierter Beschäftigung mit verhaltensoriginellen gewaltinteressierten Kindern und Jugendlichen inhaltlich dem Coaching von Manager*innen zu widmen. Das Buch wendet sich an Menschen, die damit liebäugeln, eine systemische Therapie zu beginnen, die einfach irgendein Interesse haben an systemischer Therapie und/oder eventuell demnächst am VITAS einen Kurs belegen möchten. Große Spannbreite. Ich darf vieles wiederfinden, auffrischen, entdecken und mir gefällt der Schreibstil des Leiters eines anderen systemischen Weiterbildungsinstitutes.
Fragen bleiben offen:
Was wäre gewesen, wenn ich das erste Fachbuch lustarm und in Erwartung von nichts Gutem angefasst und erfasst hätte? Welchen Unterschied hätte es gemacht?
Wird es gelingen, Wertvolles an der Enttäuschung vorbei zu bergen?
Mal angenommen, das Buch, das sich an den Dummie in mir richtet, bleibt so anregend und übersichtlich, bringt manches mit Leichtigkeit in ein verständliches Format und regt anderes an: werden sich die Geschäftsführer und Trainer*innen am VITAS darauf einigen können, es mit aufzunehmen in die wirklich wirklich lange Reihe der Fachliteraturempfehlungen?
Wonach entscheiden Menschen, wenn sie sich einladen lassen, zu einem Buch zu greifen und wozu lassen sie das daneben liegende bewusst liegen?
Was meinst du?
Ich wünsche einen anregenden Beginn des neuen Schuljahres und - damit verbunden - für viele ja auch neuen Durchstartens in das neue Jahresviertel!
Am VITAS starten im Januar 2 neue Kurse, die einen erfahrbaren Einblick in die Systemische Beratung und das Systemische Coaching ermöglichen und im Frühjahr winkt dann ein Aufbaukurs Therapie. Anmeldungen sind willkommen :-)