Der Lösung war es egal, konnte Anne im Aufbaukurs Therapie feststellen
Seminarblock 2, Tag 4-6 18.-20.06.2026
Einige Wochen waren ins Land gezogen. Die Natur hatte sich in ihr grünes Gewand gekleidet, der Raps bereits gelb gestrahlt und die Farbe erneut für die Dauer eines Jahres verloren. Nun aber kreuzten sich die Wege der Glorreichen Sieben erneut und ein ganzer Seminarblock voller Abenteuer wartete auf sie.
Die Überschrift des neuen Blockes trug eine charmant verpackte systemische Grundidee: Der Lösung ist es egal, wie das Problem entstanden ist: Störungsbilder systemisch betrachtet. Geleitet, geführt und begleitet wurden unsere Heldinnen und Helden hierbei von Doreen Rehfeld. Einige der Glorreichen Sieben kannten sie bereits, bei den meisten beruhte das sogar auf Gegenseitigkeit ;-) nur vereinzelt durfte die Bekanntschaft erstmals geknüpft werden. Für diejenigen Leserinnen, die Doreen noch nicht als Dozentin erleben konnten, folgt an dieser Stelle eine Empfehlung mit Aufforderungscharakter: Seht zu, dass ihr es nachholt! Doreen ist eine sehr entspannte, authentische, aber vor allem humorvolle Dozentin. Überdies kann sie dank einer sehr angenehmen Stimme und Erzählweise ihre Zuhörerschaft lange in der Aufmerksamkeit halten. Aber genug mit der Werbung und wieder den Erlebnissen zugewandt:
In einer Übersicht am ersten Tag, was in den kommenden zweieinhalb Tagen auf die Glorreichen Sieben zukommen sollte, fielen Überschriften wie "Diagnostik", "Psychosomatische und depressive Patientinnen", "Skulpturarbeit" und "Suizidalität". Da Stefan nur am ersten Tag mitreisen sollte, wurde im Einverständnis seiner Weggefährt*innen der Ablauf des Seminars auf den Kopf gestellt und durchgeschüttelt, damit das Thema "Suizidalität" am ersten Tag besprochen und beübt werden konnte. Die Neugierde war angestachelt und zusammen mit der Vorfreude auf das Seminar konkurrierte sie mit der allgemeinen Erschöpfung aus individuell verschiedenen vom Leben gestellten Herausforderungen und Notlagen. So frisch wie es unter diesen Umständen ging, widmeten sich die Glorreichen Sieben somit völlig auf das Thema eingestimmt der Auseinandersetzung mit Krisen. Was ist eine Krise? Was ist hilfreich im Umgang mit einer Krise / beim Überwinden von ihr? Was verstärkt die Krise? Beim Zusammentragen im Plenum kam es so dann auch gleich zu einer Krise - ein elektronisches Notizbuch fiel zu Boden. Die Besitzerin, vollends mit diesem Endgerät verwachsen, dachte kurz an Schrödingers Katze und überlegte, ob sie das Gerät einfach liegen lassen sollte, denn so lange würde es doch heil bleiben, oder? Dennoch griff sie danach, drehte es um und der Blick auf das zersprungene Display ließ zugleich auch das Selbst springen. Da war sie im Raum - die Krise, nicht mehr nur im analytischen Sinne zu skizzieren und untersuchen, sondern ganz real mit einer gemischten Gefühlspalette. Nur was würde helfen, sie zu überwinden?
Auf die Krise folgte die Mittagspause, auf die Mittagspause die Auseinandersetzung und Umgangserprobung mit Suizidalität. Spannend waren die verschiedenen Phasen, die Menschen mit Suizidgedanken durchmachen und die Informationen, in welcher Phase es Einflussmöglichkeiten gibt. Darüber hinaus lauschten die Glorreichen Sieben gespannt, als es um Anzeichen zum Erkennen der Gefährlichkeit geäußerter Suizidgedanken ging. Der Blick ins Skript wird auch in Jahren noch die Erinnerungen auffrischen. Anschließend wurde in zwei Gruppen geübt, die Hürden im Ansprechen und Besprechen von Suizidgedanken sollten abgebaut werden. Dies erinnerte an eine der ersten Lektionen aus der Ausbildung zur Systemischen Beraterin: Respekt gegenüber den Menschen, Respektlosigkeit gegenüber den Themen.
An den letzten beiden Tagen waren die Glorreichen Sieben zu einer Sechser-Gruppe geschrumpft und es sei hier ausdrücklich einmal erwähnt, dass du, Stefan, gefehlt hast. Und verpasst hast du auch so einiges:
Die verbleibenden Sechs haben sich mit Diagnostik beschäftigt, ihren Vorteilen und Nachteilen. Dies hat recht viel Zeit in Anspruch genommen und fand in Gruppenarbeit statt, um zunächst eigene Gedanken zum Thema "Diagnostik" ins Rollen zu bringen. In Zweierteams interviewten sich die Glorreichen Sechs gegenseitig zum eigenen Erleben von Krankheit in der Herkunftsfamilie und wie dies ins Erwachsenenleben hineinwirkt. Überdies gab es einen spannenden Impuls mit Schreiben als Zugang: Die Dozentin bat darum, dass jede Teilnehmerin / jeder Teilnehmer ein Organ / einen Körperteil zu Wort kommen und einen Brief schreiben lässt. Später wurde sich in der Gruppe mit psychosomatischen Patientinnen und Patientinnensystem beschäftigt. Hinweise wie "auf körperlicher Ebene arbeiten" oder "Wenn "Anregungen" mitgegeben werden, dann immer auf körperlicher Ebene wie Schlaf, Symptomtagebuch, Diäten etc. sind direkt hängengeblieben. Ebenso ausführlich ging es anschließend in die Beschäftigung mit depressiven Klientinnen über und auch hier folgten viele wertvolle Hinweise, worauf in der Arbeit mit ihnen zu achten sei.
Der krönende Abschluss des Seminarblocks stellte die Skulpturarbeit dar. Einführung und Faktenwissen erfolgte noch am zweiten Seminartag, die Demonstration am dritten. Juli stellte sich mit einem Anliegen zur Verfügung und alle anderen wurden zur Modelliermasse. Neben der Skulptur, die zum Ende des Seminarblocks ganz offensichtlich gestellt wurde, haben die Glorreichen Sieben in den gesamten drei Tagen eifrig modelliert - an sich selbst und ihren Fähigkeiten zur systemischen Therapeutin / systemischen Therapeuten, an ihrer Beziehung zum Leben, zu eigenen Problemlagen und Familien, aber vor allem sehr intensiv an sich als Gruppe. Übrigens modellierte Doreen selbstverständlich mit; und nun teilen die Glorreichen Sieben ein Geheimnis mit ihr.